Welpenaufzucht

Liebe und Begeisterung für Hunde im Allgemeinen und natürlich für die eigenen Hunde und deren Welpen im Besonderen, sind der Grundstein für eine gute Zucht und eine liebevolle Aufzucht der Welpen, die sie bestmöglich auf ihr späteres Leben vorbereitet.

 

Immer wieder wird man damit konfrontiert, dass eine „gute Prägung“ von enormer Bedeutung für das weitere Hundeleben ist. Der Hund allerdings zählt entwicklungsphysiologisch zu den Nesthockern. Eine „Prägung“ im klasisichen Sinn findet ausschließlich bei den sogenannten Nestflüchtern, wie beispielsweise Entenküken oder Fohlen statt. Diese werden in den ersten Lebensstunden auf das Bild ihrer Mutter „geprägt“. Ist das kurze, kritische Zeitfenster dafür vorüber so lässt es sich nie mehr nachholen.

 

Bei unseren Hunden sieht das Ganze etwas anders aus: um den Welpen optimal auf sein späteres Leben vorzubereiten haben wir ein intensives Lernfenster in der Zeit von der Geburt bis zur etwa zur 10. bis 12. Lebenswoche.

 

Alles was in dieser Zeit unter Umständen verpasst wurde ist zum Teil durchaus nachholbar, allerdings ist der notwendige Aufwand dafür später um ein vielfaches höher. Sowohl der Mensch als auch der Hund hat zu keinem Zeitpunkt seines Lebens so viele Synapsen wie in den ersten Wochen nach seiner Geburt. Es liegt an uns diese Synapsen zu aktivieren und diese kurze Zeit so optimal wie möglich zu nutzen.

 

Unsere Schäferhunde leben mit uns in enger, häuslicher Gemeinschaft und sind fast immer in unserer Nähe. Aus diesem Umstand ergibt es sich, dass unsere Welpen bei uns im Haus geboren werden. So ist gewährleistet, dass sich unsere Hündin auch während der Geburt in ihrer vertrauten Umgebung befindet und der Geburtsvorgang ruhig und natürlich vonstatten gehen kann.

Die Welpen verbringen ihre ersten Lebenswochen in der Wurfkiste, die im Wohnzimmer neben dem Sofa steht. Wir verbringen die meiste Zeit des Tages und im Besonderen auch die Nächte bei unserer Hündin und den Welpen, um sie zu unterstützen und im Notfall eingreifen zu können.

 

 

In den ersten beiden Lebenswochen ist die Wahrnehmung der Welpen beschränkt auf das taktile Empfinden, den Geruchssinn und den Geschmackssinn. So haben sie in bereits in dieser kurzen Zeit die Möglichkeit angenehmes Körperempfinden mit dem menschlichen Geruch zu verknüpfen. Ein Grundstein für die Bindung an den Menschen als Sozialpartner wird gelegt.

 

 

Im Alter von etwa zwei Wochen öffnen sich langsam Augen und Ohren. Der Welpe lernt nun seine Umwelt auch über diese beiden Sinne wahrzunehmen.
Außerdem lernen die Welpen nun auch auf ihren Beinen zu stehen stehen, beginnen zu laufen, miteinander zu kommunizieren und zu spielen.
Auch mit der Umwelt außerhalb der Wurfkiste 
setzen sie sich nun auseinander. Die Welpen schauen interessiert, wenn man sich ihnen nähert und reagieren auf Geräusche. Da die Welpen bei uns im Haus geboren werden findet eine Gewöhnung an die alltäglichen in einem Haushalt anfallenden Geräusche ganz nebenbei statt.

 

Mit jedem folgenden Tag nimmt nun die Aktivität der Welpen zu und die Wurfkiste wird schnell zu klein. Wir erweitern deshalb den Bereich für die Welpen auf die komplette Wohnetage, insbesondere auf den gesamten Flurbereich und das Esszimmer. Bei geeignetem Wetter bringen wir die Welpen nun auch in unseren großen Garten, der den ganzen Tag genutzt werden kann und den Welpen viele neue Eindrücke und Möglichkeiten zum Erkunden und Spielen bietet: Nun können sie alle Aktivitäten rund ums Haus beobachten und lernen ganz nebenbei alle üblichen Geräusche in einem Wohngebiet kennen. Hier erwartet sie ihr eigener „Abenteuer-Spielplatz“ mit Tunnel, Wackelbrett, Bällebad, eigenem „Pool“ und vielen verschiedenen Untergründen, wie Rasen, Sand, Pflastersteine, Holz, Kies, Gitter und, und, und. Diese kleinen „Abenteuer-Ausflüge“ fördern unter anderem die motorische Geschicklichkeit, die Koordinationsfähigkeit und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Außerdem sorgen hier viele optische uns akustische Reizquellen, wie flatternde Plastikbänder und lautes Spielzeug dafür, dass sich die Welpen an eine Umwelt mit einer Fülle von Reizen gewöhnen. Lernt der Welpe bereits in dieser hochsensiblen Lernphase der ersten Lebenswochen viele unterschiedliche Reize in angemessener Form kennen und als ungefährlich abzuspeichern, so wird er auch in der Zukunft gelassener auf neue Reize und Situationen reagieren können.

 

 

Etwa ab der dritten Lebenswoche beginnen wir mit der Zufütterung der Welpen, um unsere Hündin zu entlasten und die Welpen schrittweise an ihre spätere Ernährung zu gewöhnen. Hierbei lernen sie nicht nur Fertigtrockenfutter kennen, sondern eine abwechslungsreiche Ernährung aus Welpenfutter, frischem Fleisch wie beispielsweise Tartar, grünem Pansen oder Rinderherz. Auch Obst und angekochtes Gemüse wie zum Beispiel Äpfel, Möhrern oder Broccoli lernen die Welpen genauso kennen wie Quark, Hüttenkäse und Joghurt.

 

„Die eine richtige Ernährung“ für Hunde gibt es in unseren Augen nicht und so versuchen wir durch diesen abwechslungsreichen Speiseplan dafür Sorge zu tragen, dass auch in seinem neuen Heim keiner unserer Welpen mäkelig vor seinem Napf sitzt.

 

Außerdem lassen sich die Mahlzeiten gut nutzen, um die Welpen schon sehr früh auf einen „Kommpfiff“ und das Kommando „Hier“ zu konditionieren. Bereits nach wenigen Tagen werden sie schon sehr zuverlässig auf diese Signale reagieren und es ihren neuen Besitzern sehr leicht machen auf dieser Erfahrung aufzubauen.

 

 

Die ersten drei Lebenswochen sind für unsere Welpen eine hochsensible Lernphase. Bei all den neuen Eindrücken, die unsere Welpen gerade nach dem Öffnen der Augen und Ohren erleben ist es nicht verwunderlich, dass sie in dieser Zeit auch noch ein hohes Bedürfnis nach Ruhe und Schlaf haben, wann immer es ihnen beliebt.

 

Neugeborene Welpen haben zu diesem Zeitpunkt noch kein eigenes intaktes Immunsystem, sondern sind lediglich durch die Antikörper, die sie zusammen mit der Muttermilch aufnehmen, geschützt. Dieser Schutz beschränkt sich dementsprechend auf die Erreger, die dem Immunsystem ihrer Mutter bekannt sind. Aus diesem Grunde sind die Welpen noch sehr anfällig gegen Infektionen, die vor allem von fremden Menschen und Tieren übertragen werden könnten.

 

Deshalb empfangen wir in dieser Zeit noch keinen fremden Besuch.

 

Nach dieser Zeit ist es bei uns fast nie leer und wir haben ein offenes Haus für Welpeninteressenten, für Verwandte, Freunde und Bekannte, um mit den Welpen zu schmusen und zu spielen und Ihnen somit ein breit gefächertes, positives Bild vom Menschen als Sozialpartner zu vermitteln.

 

 

Nach der fünften Lebenswoche ist es dann soweit, dass wir mit den Welpen auch kleinere Ausflüge unternehmen, um ihnen auch die Umwelt außerhalb unseres Gartens näherzubringen. Vor allem die gewohnte Anwesenheit ihrer Mutter und ihrer Geschwister hilft den Welpen dabei ihre Umwelt aufgeschlossen und neugierig zu erkunden und kürzere Autofahrten als etwas selbstverständliches kennen zu lernen.

 

Im Alter von acht Wochen können die Welpen zu ihren neuen Besitzern ziehen. Das ist auch gut so, denn sie sind nun bereit die große, weite Welt zu entdecken und brauchen individuelle Förderung.

 

Jeder unserer Welpen ist bei Abgabe an seinen neuen Besitzer geimpft, mit einem Mikrochip gekennzeichnet, mehrfach entwurmt und erhält:

 

  • einen EU-Heimtierausweis

  • ein rotes Rasse-Echtheitszertifikat vom Verein für Deutsche Schäferhunde (SV) e.V.

  • einen Kaufvertrag

  • bei Bedarf einen Fütterungs- und Impfplan für das erste Lebensjahr

 

Außerdem geben wir den neuen Besitzern auch ein Kuscheltier mit dem vertrauten „Nestgeruch“ ihres neuen Familienmitglieds mit, damit der Abschied nicht so schwer fällt.

 

Wir geben zu, dass dies leider nur dem Welpen hilft. Wir als liebevolle Hobby-Züchter vermissen unsere Welpen am Anfang ganz schrecklich und hoffen sehr darauf, dass wir ab und zu durch ein Foto, eine Mail oder einen Anruf an ihrem neuen Leben teilhaben dürfen.

 

Wir wünschen einem jeden unserer kleinen Schützlinge ein liebevolles, neues zu Hause und ein langes, gesundes und glückliches Hundeleben verbunden mit dem Versprechen ihnen und ihren neuen Besitzern immer mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn es nötig werden sollte.